Emma
Im WS 24/25 in Lissabon im Auslandssemester
,,Jetzt ist es soweit“, denke ich mir im Uber auf dem Weg zu meinem neuen Zuhause, der Rua Heróis de Quionga im Stadtteil Arroios in Lissabon. Der Tag an den ich, Emma Heidenwolf, schon gedacht habe, noch bevor mein Studium an der Hochschule Bremen überhaupt begonnen hat, der Beginn meines Auslandssemesters, WS 24/25. Der Fahrer des Ubers unterhält sich mit mir die gesamte Fahrt von 45 Minuten auf Portugiesisch und stellt somit zum ersten Mal meine Sprachkenntnisse auf die Probe. Ich sitze neben ihm auf dem Beifahrersitz, sauge jedes seiner Wörter auf und könnte glücklicher nicht sein, wie sehr sich meine zuvor belegten Sprachkurse doch ausgezahlt hatten. Schon nach dem Abitur wusste ich, dass ich irgendwann einmal in Portugal leben wollte. Irgendetwas hat mich schon immer an diesem Ort fasziniert, sei es die atemberaubende Landschaft, die Kultur oder das besondere Lebensgefühl, das Portugal versprüht. Das Land gab mir einfach schon immer ein Gefühl des ,,zweiten Zuhauses“.
So fiel es mir auch nicht schwer, ein Land für mein Auslandssemester auszuwählen. Ich wusste, es musste Portugal sein, auch wenn das bedeutete ein Semester in einer Sprache zu absolvieren, die ich zwar sprach, jedoch nicht auf ausreichend fließendem Niveau. Trotzdem wusste ich, dass ich es unbedingt ausprobieren wollte, denn alle anderen Orte hätten sich nur wie ,,zweite Optionen“ für mich angefühlt. Zudem sah ich die Gelegenheit, im Rahmen eines Auslandssemesters für einige Monate am Stück in Portugal leben zu können, als die perfekte Chance einmal in das Leben in diesem Land ,,reinzuschnuppern“ und so herauszufinden, ob ich hier meine Zukunft sehen kann, ohne gleich in Deutschland meine Zelte abbauen zu müssen.

Diese Entscheidung hat sich als genau die richtige herausgestellt. Das Auslandssemester in Lissabon war ein tolles Erlebnis und hat mich als Person wachsen lassen. Ich konnte meine Sprachkenntnisse weiter ausbauen und endlich meiner Leidenschaft des Surfens nachgehen. Am Meer zu leben und wann immer ich will mein Surfbrett zu packen und an den Strand zu fahren, ist wie ein wahr gewordener Traum und etwas, dass ich definitiv nicht mehr missen möchte.
Zudem ist Lissabon eine wahnsinnig schöne Stadt und obwohl ich Großstädte normalerweise nicht besonders mag, ist mir diese Stadt wirklich ans Herz gewachsen und ich fühle mich dort sehr wohl. Die Stadt bietet viele tolle Möglichkeiten seine Zeit dort zu gestalten, von Museen über Cafés und Restaurants zu Bars und natürlich auch den vielen möglichen Tagesausflügen an Orte in der Nähe wie zum Beispiel die Naturparkregion um Sintra, die Westküste mit tollen Städten und Surfspots wie beispielsweise Ericeira oder Nazaré (besonders zur Big wave season im Winter ein unvergessliches Erlebnis!) und natürlich den vielen tollen Stränden um Lissabon herum. Meine Favoriten waren hier ganz klar der Strand in Carcavelos und der Costa da Caparica (mein persönlicher Herzensort).
An der Universidade Lusófona de Humanidades e Tecnologias habe ich den Kurs Tourismusmanagement besucht. Diesen habe ich mir um ehrlich zu sein, nicht wirklich freiwillig ausgesucht. Zur Zeit des Bewerbungsprozesses wusste ich nicht, dass ich die Möglichkeit zwischen Sport und Tourismus gehabt hätte und wurde auch nicht weiter gefragt, welchen Kurs ich belegen wollte. Persönlich hätte ich mich wohl eher für Sport entschieden, nichtsdestotrotz mochte ich das Studium an der Lusófona sehr. Ich hatte total Glück mit meinen Professoren und auch die Studieninhalte des Tourismuskurses waren größtenteils interessant. Belegt habe ich hierbei die Kurse Flughafenmanagement, Tourismus und Kunst, Touristische Märkte und Produkte, Tourismus und nachhaltige Entwicklungsziele und Tourismus und Transport.
Abschließend lässt sich sagen, dass ich mein Auslandssemester sehr genossen habe und ich neben tollen Erfahrungen und Erlebnissen auch Inspiration für die Gestaltung meines zukünftigen (Berufs-)lebens sammeln konnte. Beispielsweise habe ich mich dazu entschieden, an der Costa da Caparica nach einem Praktikumsplatz zu suchen, um meine Zeit in Portugal noch zu verlängern und noch tiefer in die Kultur und das Leben hier eintauchen zu können.

Jan-Malte
Im SS 25 in Bangkok im Auslandssemester
“One Night in Bangkok”, darüber singt Murray Head in seinem Welthit von 1984. Aber warum nur eine Nacht, wenn es mehrere Monate sein können? Das dachte ich, als ich die Bangkok University auf der Partnerliste für das Auslandssemester sah. Fernweh, Neugierde und die Entschlossenheit einen Schritt aus der Komfortzone zu wagen, haben mich, Jan-Malte Paatz, dazu bewegt, mich genau dort fürs SS‘25 zu bewerben. Kaum waren alle Unterlagen vollständig, befand ich mich schon inmitten des Großstadtdschungels der 15 Millionen Einwohner Metropole. So zumindest kam es mir vor, als ich den ersten Fuß auf thailändischen Boden setzte.
Zunächst war es eine Herausforderung, in der riesigen Stadt zurechtzukommen und die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Nach einiger Zeit aber schon habe ich Bangkok schätzen und lieben gelernt. Dazu beigetragen, haben vor allem die unbegrenzten Möglichkeiten, die unvergleichliche Atmosphäre und die Warmherzigkeit der Menschen. Oft bin ich einfach durch die Straßen gelaufen und jedes Mal habe ich etwas neues Spannendes entdeckt.

Bangkok ist eine Stadt voller Kontraste, die sich zwischen Tradition und Moderne bewegt. Neben Jahrhunderte alten Tempeln und einfachen Wellblechhütten, ragen 300 Meter hohe Wolkenkratzer empor. Zahlreiche Straßenküchen reihen sich vor gewaltigen Shopping Malls aneinander und während der Skytrain über die Stadt schwebt, rasen die alten Kanalboote durch die „Khlongs“, die Nebenarme des Chao Phraya.
Etwas außerhalb von Bangkok, in Rangsit, befindet sich der grün und modern angelegte Campus der Bangkok University. So bunt und vielfältig wie Thailand, ist hier auch das Kursangebot. Mein Fächerschwerpunkt war „Innovative Media Production“. Es gab viele Gruppenprojekte, die teilweise chaotisch verliefen, aber auch sehr viel Spaß gemacht haben. Dabei konnte ich viel Neues aus den Bereichen Digital Content Creation, Videoproduktion und Fotokomposition mitnehmen.
Bevor das Semester begonnen hatte sowie an freien Tagen, habe ich die Gelegenheit genutzt, mein Gastland über die Grenzen Bangkoks hinaus kennenzulernen. Es hat mich in den Süden, den Norden und in andere Teile des Landes verschlagen. Ich habe ländliche Gegenden jenseits der Großstadt erkundet, die beeindruckende Tier- und Pflanzenwelt sehen dürfen und die Reggae Bars an den paradiesischen Stränden der Inseln unsicher gemacht.
Insgesamt war der Aufenthalt eine wertvolle und prägende Erfahrung für mich. Nicht nur im akademischen Sinne, sondern auch weil ich meinen eigenen Horizont erweitern und persönlich wachsen konnte.

Finja
Im SS 25 in Lillehammer im Auslandssemester
Ich schaue aus dem Zugfenster und auf den größten See Norwegens, der komplett mit Eis bedeckt ist. Die Sonne strahlt durch den aufsteigenden Nebel vom See und rund herum sind die Berge mit Schnee bedeckt. Und dann war es passiert: Ich hatte mich in Norwegen verliebt.
Ich bin Finja Schmidt, studiere Freizeitwissenschaft und habe im Sommersemester 2025 mein Auslandssemsteter in Lillehammer in Norwegen gemacht. Ich wollte schon immer einen richtigen Winter erleben und als großer Wintersportfan fiel meine Wahl auf den ehemaligen Olympiaaustragungsort Lillehammer. Diese Wahl habe ich nie bereut. Klingt vielleicht zu schön um wahr zu sein, aber für mich waren es sechs traumhafte Monate in der norwegischen Kleinstadt direkt am Mjøsa (dem größten See Norwegens).

Lillehammer ist klein, aber fein und hat viel zu bieten. Zwischen den Vorlesungen habe ich mich auf Langlaufski probiert, hing an den Wänden der Kletterhalle, bin über die Skipisten in Hafjell gefahren, stand knietief im Schnee, spielte auf dem Mjøsa Eishockey und sah auf dem Lysgardsbakken Skispringer an mir vorbeifliegen. Außerdem habe ich mir als Volunteer auf mehreren Weltcups Wintersport Träume erfüllt. Doch auch wenn der Schnee taut, wird es nicht langweilig in Norwegen. Mit meinen neuen internationalen Freunden bin ich über die Lofoten gewandert, war im eiskalten Mjøsa schwimmen und habe mit einem „Hipp Hipp Hurra“ den norwegischen Nationalfeiertag begrüßt. In Norwegen findet viel Freizeit draußen statt. Dafür gibt es sogar einen eigenen Begriff: „Friluftsliv“, was so viel wie „Leben in der freien Natur“ bedeutet. Vom Langlaufen, Skifahren und Eishockey im Winter bis hin zu Joggen, Wandern und Rollskifahren im Sommer. Man begegnet ständig sportlich aktiven Menschen draußen.
Natürlich habe ich auch ab und zu die Universität in Lillehammer besucht. Besonders im regelmäßig stattfindenden Norwegischkurs habe ich viel Hilfreiches gelernt. Die neu erlernten Wörter konnte ich dann direkt beim Einkauf oder beim Floorball ausprobieren. Mit einem „Hei“ und einem „Ha det bra“ kommt man doch direkt viel besser durch den Alltag. Auch über die Vorlesungen hinaus, gab es viel zu erleben an der Universität in Lillehammer. Jeden Mittwoch zog es mich zu verschiedenen Veranstaltungen ins Studenten Café. Von Musik Bingo bis Karaoke, war für alle etwas dabei, dazu leckeres Essen und Snacks und eine Menge Spaß mit den anderen Austauschstudierenden.
Nach sechs Monaten viel der Abschied von meinen neuen Freunden und meinem neuen Zuhause natürlich umso schwerer. Was bleibt, sind unvergessliche Erinnerungen, viele neue Freunde und erfüllte Träume, sowie eine neue Leidenschaft fürs Bouldern und ein bisschen Norwegisch.
